Ein Reiterbogen, ist ein Bogen den man als Reiter schießt richtig?!
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Wenn man bei uns im Norden ugs. vom Reiterbogen spricht, meint man zunächst meist einen kleinen Reflex-Kompositbogen. z.B. einen Koreaner, Skythen, Assyrer, Türken oder Tartaren.
Diese Art von Reiterbögen hat eine geringe Eigenmasse, ist sehr leicht und kurz.
Die Eigenschaft, welche die gemeinte Art des Reiterbogens ausmacht ist, dass mit sehr wenig Materialmasse, eine verhältnismäßig hohe Zugkraft erreicht wird. Dies ermöglicht es trotz hoher Zugkraft leichtere Pfeile zu schießen, welche entsprechend besser beschleunigen. Erreicht wird dies durch die sogenannte Reflex-Form. Die Bogenarme sind bei dieser Bogenform, im entspannen Zustand, entgegen der Zugrichtung „vorgekrümmt“.
Durch Geschwindigkeit, Gewicht und Größe, eignet er sich daher auf dem ersten Blick am besten für das berittene Schießen. Dennoch finden sich historische und zeitgenössische Beispiele dafür, dass der Bogentyp nicht über den Erfolg des berittenen Schusses entscheidet. So finden sich unterschiedlichste Spielarten von Reflex- oder auch Langbögen in jenen Kulturen, welche das berittene Bogenschießen praktizierten. So haben z.B. Mongolen die Masse der Wurfarmspitzen leicht erhöht und so auch schwere Pfeile geschossen. Die indigenen Völker der nordamerikanischen Plains nutzen hingegen erfolgreich indianische Flachbögen auf der berittenen Bisonjagd. Die Samurai schossen sogar teilweise mit unglaublich langen asymmetrischen Yumibögen.
Es kann also zusammenfassend gesagt werden, dass der Begriff Reiterbogen eher ein Symbol für den anstrebten Schießstil ist und eher etwas meint als etwas konkretes sagt.

Auch scheiden sich die Kulturen bei der Frage nach der perfekten Technik, des berittenen Schusses. Der hierzulande wohl bekannteste Release, für einen kurzen, schnellen Reiterbogen, ist der Daumenrelease mit einem asymmetrischen Daumenring. Hierfür wird der Pfeil auf der Innenseite des Bogens aufgelegt. Im Moment des Releases wird versucht, durch eine Kathrabewegung, das Bogenparadoxon zu umgehen.

Es finden sich allerdings auch mediterrane, slawische oder Mandschu-Schützen unter den heutigen Wettkämpfern in diesem Bereich.


Die Wahl des Ankerpunkes variiert je nach Kulturkreis und Technik. Es finden sich fliegende Ankerpunke bei Maximalauszug, oder an der Stackinggrenze des Bogens, genauso wie Mundwinkelanker, oder Ankerpunke an der Zugarmschulter. Jochbein oder Kinnanker sind eher seltener zu sehen. Beim Jochbeinanker ist das sicherlich dem zusätzlichem Verletzungsrisiko der Augen geschuldet und beim Kinnanker mag es Stabilitätsgründe haben.

Umgangssprachlich traditionell gefertigte Reiterbögen meinen meist Horn-Kompotit-Refex-Bögen.
Sie bestehen aus Horn, Sehne und Holz. Aus Horn bestehen die Wurfarme. Organische Sehne, wird aufgeklopft und auf den Bogenrücken geleimt – durch die Trocknung der Sehne wird die klassische Reflexform begünstigt. Aus Holz bestehen die Sehnenaufnahmen (Syas) und das Griffstück


Ich persönlich bevorzuge moderne Komposit-Reiterbögen aus synthetischen Materialien. Mehrere Gründe sprechen für mich gegen einen traditionell gefertigten Reiterbogen bzw für einen modernen Komposit-Reiterbogen als regelmäßiges Trainingsgerät.

  • Ein Hornbogen muss vor dem Schießen warmgebogen werden. Traditionell waren die Bögen zum Teil die ganze Saison gespannt.
  • Die Wetterfühligkeit der Bögen. Bei warmen feuchtem Wetter schießt es sich anders als bei kaltem und trockenem – für Norddeutschland also insgesamt eher ungeeignet
  • Die unglaubliche Belastbarkeit, Haltbarkeit und Akkuratesse guter moderner Komposit-Reiterbögen.