Wie viele Kinder auf dem Lande bauten ich und meine Brüder uns den klassischen Haselnussbogen mit Paketbandsehne. Die Bambuspflanzstöcke unserer Mutter wurden zu Klebebandbefiederten Pfeilen als Ziele dienten Grasbüschel oder alte Kartons. Mein Vater führte uns dann irgendwann mal an einen Verein, wo wir auf einen Fußballfeld mit olympisch-Recurved-Bögen, Alupfeile schießen durften (typisch 90er). Keiner von uns entwickelte tieferes Interesse an dieser Form des Bogenschießens. Jedoch begegnete mir der Bogen glücklicherweise ein drittes Mal. Nachdem ich 2020 mein kulturwissenschaftliches Studium an der Uni Kiel absolviert habe, wendete ich mich dem traditionellen Bogenschießen zu. Ich ging beim Bogenbauer Helmut Ritter in die „Lehre“ und wurde in seinem Unternehmen zum Trainer für Eingerichtetes Bogenschießen. Seit Anfang 2022 arbeitete ich dann in dem Unternehmen Bowfire freiberuflich als Trainer und Parcoursgestalter. Ich habe seitdem mehr als tausend Leute beim Einstieg ins Bogenschießen begleiten dürfen und dabei viele Menschen beim Bogenschießen und Meinungen zum Bogenschießen wahrgenommen. Von Kinder- und Jugendgeburtstagsaktionen, Familienunternehmungen oder Freundeskreistreffen über Veranstaltungen Ämtern, Kichenverbänden, Ministerien, Vereinen, Polizei und Bundeswehrtruppen, Versicherungen, Startups und Firmen aller Art und vielen Einzelpersonen wie Touristen, Journalisten, Schülern, Lehrern, Flüchtlingen, Trauernden, Alleinstehenden Eltern, Preppern, alten Hasen, Wissenschaftlern, Reichen, Prostituierten usw. habe ich viel gesehen.

Plädoyer für den Bogen
Fast jeder kann Bogenschießen und fast jeder ist glücklich, wenn er am Tag ein paar Ziele getroffen oder erreicht hat. In der intensiven Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Menschen, wurde allmählich klar, dass die Qualitäten, die das Bogenschießen haben kann, weit über den sportlichen Leistungsaspekt hinaus gehen – denn einen Drang sich in einem Wettbewerb zu vergleichen, hegen die Wenigsten. Dennoch nehmen später viele aus Spaß oder sozialen Gründen an solchen Veranstaltungen teil. Wesentlich mehr Menschen entdecken, dass allein die Rückenstärkung als Gegenbewegung zur Computerarbeit ihnen gut tut, oder finden im Bogen ein Medium sich über Ihren Körper gewahr zu werden, sich zu fokussieren oder zu konzentrieren. Andere erlangen Selbstbewusstsein durch Treffsicherheit und finden eine neue Identität. Die Bastler und Kreativen, erfreuen sich an der Herstellung von eigenem Equipment. Viele die ich traf schätzten die Ruhe der Bäume und Pflanzen beim Training in einem 3D-Parcours. Dieser „Freiluft-/Naturaspekt“ wird gerade im traditionellen Bogensport sehr geschätzt.
Menschen, die eine Plattform zur sozialen Teilhabe suchen, finden je nach Anlaufstelle eine tolerante und gastfreundliche Community vor.
Oft verschwinden diese Aspekte des Bogensports hinter den Kulissen des diszipliniert Leistungssportlichen Fernseh-/Hallenschießens.
Der Bogen hatte jedoch schon in unzähligen Kulturen, seit dem frühen Mesolytikum, neben den drei Hauptfunktionen (Krieg, Jagd und Wettbewerb), auch viele kulturelle und soziale Funktionen. So vermittelt der Bogen auch viele soziale und kulturelle Werte wie Disziplin, Aufmerksamkeit, Selbstverwirklichung, Rücksicht, Gemeinsamkeit, Respekt, Körperbewusstsein oder Umweltbewusstsein.
Gefährlich aber nicht zu gefährlich, sportlich aber nicht zu sportlich, sozial aber nicht zu sozial, körperlich aber nicht zu Körperlich, spitituell aber nicht zu spirituell, traditionell oder konventionell, leicht zu erlernen, schwer zu meistern. So fühlen sich viele Menschen mit dem Bogen gut.

Problem der Finanzierbarkeit
Der Zugang zu einer geeigneten Trainigsplattform ist zumeist gar nicht so einfach, denn der finanzielle Aspekt des Bogens hat sich stark verändert. Ein guter Bogen kostet mindestens 200€, der Zugang zu qualitativ geeigneten Bogenmaterial und Werkzeug zur eigenen Herstellung – meist noch mehr. Beim Besuch eines geeigneten Übungsgeländes entstehen zusätzliche Kosten von ca 10/20€ pro Person. Das Lehrgeld der Pfeile liegt zwischen 8 € und 15 € pro Pfeil, da kann bei einem kleinen Bogenausflug mit Kind schon einiges zusammenkommen.
Viele Menschen können sich soetwas nicht leisten. So muss das nicht sein und so sollte es auch meiner Meinung nach nicht sein. Eigentlich nivelliert der Bogen seit jeher soziale Stände, steht für persönliche Stärke und ermögliche es sogar den ärmsten Bürger/-innen ihren Soll zu leisten.
Der Bogen hat zu kostbare Werte und Lehren zu vermitteln, um an der Finanzierbarkeit zu scheitern. Ich habe erlebt, dass Menschen ausschließlich aus diesem Grunde mit dem Bogenschießen aufhören oder gar nicht erst anfangen. Auch auf der Gegenseite müssen bei institutionellen Strukturen stets Entscheidungen zugunsten der Finanzierbarkeit und zulasten traditioneller Werte getroffen werden. So wird die Umwelt beispielsweise durch günstige Carbonpfeile verschmutzt, weil gute Holzpfeile in Handarbeit entstehen und mehr kosten. Wenige günstige Lehrbögen werden aus dem Ausland gekauft, um Kosten zu sparen – zulasten des Schießentwicklung Interessierter. Oder um steigende Flächenpacht oder professionelle Personalexpansion zahlen zu können, müssen mit der Zeit Preise erhöht werden. Günstige Ziele werden gekauft, die letztlich schneller kaputt gehen und unnötigen Müll machen usw., usw. Das finde ich sehr schade. Deshalb möchte ich ein kostenloses offenes Areal schaffen, auf welchem Interessierte und Versierte gemeinsam ungezwungen lernen können – ungeachtet ihres Portemonnaies. Einzig der Pfeilverlust oder -bruch sollte das Lehrgeld für einen interessierten Schützen sein.

Die Vison
Ich träume langfristig von einem Kulturzentrum für den Bogen.
Mit Leihbögen unterschiedlichster Kulturen, einer kleinen Spezialbibliothek, Lehrexponaten, Fachlichen Ansprechpartnern und Raum für gesellschaftliches Geschehen.
Kurzfristig stelle ich mir ein bewaldetes Areal vor, auf welchem ein naturnaher Parcours in Form einer abgehbahren Route, organisch in die Landschaft eingefügt wird. Es sollen ca. 21 Naturschaubilder erarbeitet werden, welche sich als sichere Schießflucht für traditionelle Bögen eignen.
Die örtliche Flora und Fauna soll eine zentrale Rolle bei der Entscheidungsfindung einnehmen, da eine Doppelnutzung als Naturlehrpfad geplant ist. Die lokalen Begebenheiten verschiedener Naturschaubilder sollen mit Lehrtafeln Erläuterungen finden. So soll ein nachhaltiger, weil regelmäßiger, Zugang zur lokalen Flora und Fauna ermöglicht werden.
Es soll eine Plattform enstehen, die zum Verstehen der Natur und zum Verweilen an der frischen Luft einlädt. Ähnlich wie ein öffentlicher Park, nur dass dieser ParkOurs, dieses Kulturbogenzentrum das ungezwungene miteinander Lernen in den Fokus rücken soll. Verschiedene Kurse sollen stattfinden und Gemeinschaft soll entstehen können. Vor allem aber soll ein kostenlos nutzbares Trainigsareal erschaffen werden.
Es soll mindestens ein Trainer/Ansprechpartner/Ersthelfer ständig vor Ort sein, damit fachliche Fragen unmittelbar geklärt werden können. Zudem muss für den laufenden Betrieb täglich eine Sicherheitsabnahme erfolgen, um Verletzungen durch herabfallende Äste o.ä. zu vermeiden.

Langfristig könnte eine Mehrfachnutzung mit Spezialangeboten eine Teilfinanzierung ermöglichen. Ein geführter kostenpflichtiger Naturlehrpfad, der die lokale Flora oder Fauna zum Inhalt hat wäre denkbar. Es könnten Bushcarftkurse mit Surivalinhalten, wie z.B. Schnitzen, Feuermachen, Unterschlupfbau, Feuersteinbearbeitung stattfinden. Je nachdem würden sich auch Kurse für traditionelle Handwerke wie z.B. Korbflechten, Lehmbau oder Imkerei anbieten. Auch die sinnliche Nutzung als sog. Barfußparcours, oder die Vermietung des Geländes an Vereine zur Turniernutzzung wäre denkbar.

Kreis Plön und Kiel sind meine Heimat. Ich möchte die lokale Infrastruktur um eine gemeinnützige Plattform erweitern, auf welcher der Bogen als das Weltkuturerbe, welches es ist wahrgenommen und gefördert wird. Ich habe eine handvoll Spezialkontakte u.a. einen versierten Archäologen, einen Weltmeisterschützen, Landschaftsgärtner, Szene-Leute und den Förster des Klosters Preetz, welcher sich die Realisierung eines Parcours im Klosterforst/Rönnerholz vorstellen kann.

Ich habe keinerlei Interesse daran, das Projekt danach auszurichten finanzielle Profite zu erwirtschaften, vielmehr sollen über Förder- und Spendengelder systematisch Soziokulturelle Profite erwirtschaftet werden, das ist das Grundkonzept. Aller Voraussicht nach nach wird sich das Projekt wirtschaftlich niemals vollständig selbst tragen. Ich möchte, dass sich Menschen, die weniger Kapazität oder Muße haben, um soetwas umzusetzen, jedoch genug Geld haben, um andere dafür zu bezahlen, helfen dieses Projekt Stück für Stück zu realisieren. Ich möchte, dass jene, die nach sozialer oder kultureller Teilhabe, nach Körperbewusstsein, Gesundheit und Umweltbewussein rufen, dieses Projekt unterstützen.
Ich habe einen Bogen, zehn Pfeile und ein Ziel. Für alles andere brauche ich finanzielle Mittel.